Vor- und Nachteile eines Studiums

Studieren mit psychischer Erkrankung und Neurodivergenz – (wie) geht das? Wie wirkt sich das Studium auf meine Beeinträchtigung aus? Und wie anders herum?

Wir haben dazu betroffene Studierende aus verschiedenen Studiengängen befragt. Sie erleben manche Aspekte des Studiums als bestärkend und gesundheitsfördernd, andere eher als belastend. Die folgende Liste ist keinesfalls vollständig, sie soll eine erste Orientierungshilfe sein, wenn Du Dir unsicher bist, ob und wie Studieren für Dich gerade möglich ist.

Für einen persönlicheren Einblick in den Studienalltag mit psychischen Erkrankungen und Neurodivergenz schau Dir auch gern die ErfahrungsberichteInterviews und Comics an, die wir gemeinsam mit Studierenden erarbeitet haben.

Welche Aspekte des Studiums können sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken?

  • Ein Studium bietet Beschäftigung, schafft Struktur im Alltag und gibt Sinnhaftigkeit. Dies kann das Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken.
  • Ein Studienabschluss bieten neue Perspektiven für das weitere (Berufs-) Leben.
  • Ein Studium kann ein sanfter Einstieg ins Arbeitsleben sein (Gewöhnung an Struktur, Belastung, Aufgaben…).
  • Die Hochschule oder Universität bieten eine im Idealfall geschützte, sichere Umgebung, die es ermöglicht (sich) auszuprobieren und positive Erfahrungen zu machen. Bestandene Herausforderungen können das Selbstvertrauen stärken und die Resilienz (= psychische Widerstandsfähigkeit) fördern.
  • Ein Studium kann zur Entfaltung des eigenen Potenzials und zur Entwicklung eigener Interessen beitragen.
  • Ein Studium bietet Austausch mit anderen – ganz allgemein, aber auch speziell zu psychischen Erkrankungen, Neurodivergenz oder verwandten Themen. Es können neue Kontakte geknüpft, Freund*innenschaften geschlossen und soziale Strukturen aufgebaut werden. Das kann zu einer Stabilisierung der psychische Gesundheit beitragen.
  • Als Studierende*r hast Du die Möglichkeit, viele kostenlose Unterstützungsangebote Deiner Hochschule in Anspruch zu nehmen, die Dich durchs Semester begleiten.

Welche Aspekte des Studiums können sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken?

  • Mangelnde oder fehlende Struktur in manchen Studiengängen (z.B. wenn viele Lehrveranstaltungen frei wählbar sind oder größere Projekte nicht engmaschig begleitet werden), spontane Änderungen im Kursplan oder ähnliches können ein Gefühl von Unsicherheit verstärken.
  • Stress und Belastung bis hin zu Überforderung durch (zu) hohes Arbeitspensum, schwierige Aufgaben, kurze Abgabefristen, Anwesenheitspflichten, Präsentationen vor der Gruppe, Leistungsdruck, sozialen Stress (insbesondere in Gruppensituationen), aber auch Misserfolge oder Konflikte mit anderen Menschen können die persönliche Symptomatik verstärken und die Belastbarkeit schwächen. 
  • Themen in Vorlesungen oder Seminaren können triggern.
  • Eine mögliche Reizüberflutung durch Geräusche und Lärm, Licht, Interaktionen mit anderen etc. können sich bei manchen Betroffenen erschwerend auf die Beeinträchtigung auswirken.
  • Stigmatisierungserfahrungen durch Lehrende, Hochschulbeschäftigte oder Mitstudierende bzw. die Angst davor können zusätzlich belasten.
  • Finanzielle Unsicherheiten können sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken, wenn z. B. das Studium durch die Beeinträchtigung verlängert wird und es dadurch zu Problemen beim BAföG und bei Krediten kommt. Auch Nebenjobs zur Finanzierung des Studiums können belasten.

Mehr Anregungen und Tipps zur Wahl eines geeigneten Studiengangs, und bei Studienzweifeln findest Du auf der Webseite Studienorientierung der HAW Hamburg.



Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 03.01.2026